Das B-Gen (Allele B, b, bl)

 

Die Farbbezeichnungen sind in der Literatur und unter Züchtern nicht überall gleich. Oft werden englische Begriffe eingedeutscht oder deutsche Begriffe weichen englischen "Fachwörtern". Deshalb werde ich jeweils eine Auswahl der verschiedenen Bezeichnungen mit angeben.

 

Allel B - black oder schwarz

Der nichtmutierte oder ursprüngliche Melanin-Protein-Komplex lässt Haut und Haare schwarz erscheinen, deshalb wird das dominante Wildtyp-Allel des Farbgens mit B für Black - schwarz bezeichnet. Die "Schwarze" ist wohl die bekannteste einfarbige Katze. Das Fell ist tiefschwarz durchgefärbt, Nasenspiegel und Fußballen sind bei einer Katze mit dem Genotyp BB oder B- ebenfalls von einem gleichmäßigen Schwarz. Der Farbstoff Eumelanin ist in jeder Hautzelle und in jedem Haar gleichmäßig dicht verteilt.

Der Eindruck einer Farbe entsteht übrigens erst dadurch, dass aus dem Sonnenlicht oder einem anderen weißen Licht, das ja alle Farben enthält, ein bestimmter Anteil verschluckt wird. Der Rest wird reflektiert und vermittelt die Farbe. Ist die Verteilung der Pigmentpartikel so dicht, dass alles Licht verschluckt wird, also nichts mehr reflektiert wird, erscheint die Katze schwarz. Bei einer weißen Katze dagegen wird alles Licht reflektiert, sie ist daher so weiß wie das Licht mit dem sie beleuchtet wird. Alle anderen Farben liegen irgendwo dazwischen. Das heißt, nur ein bestimmter Anteil wird verschluckt und der reflektierte Rest ergibt die Farbe.

Von B gibt es eine mutierte Form, bei welcher der Melanin-Protein-Komplex so verändert ist, dass Haare, Nasenspiegel und Fußballen schokoladenbraun sind. Das entsprechende Allel heißt b für brown oder chocolate.

 

Allel b - brown, braun oder chocolate

Durch die Wirkung dieses gegenüber dem Wildtyp-Allel rezessiven Allels nehmen die Farb-Pigmentpartikel eine andere Form und Größe an, so dass ganz andere Reflexionseigenschaften zustande kommen. Die Verteilung der Pigmentpartikel bleibt jedoch gleich. Haare, Nasenspiegel und Fußballen erscheinen allein durch die Veränderung der Pigmentstruktur schokoladenbraun. Deshalb ist für diese Farbe die Bezeichnung chocolate sehr zutreffend.

 

Allel bl - light brown oder hellbraun

Dieses Allel steht für eine weitere Veränderung der Pigmentstruktur, nicht aber für die Verteilung der Pigmentpartikel. Haare, Nasenspiegel und Fußballen sind heller und auch ein wenig rötlicher als bei chocolate. Deshalb die zusätzlichen Beschreibungen cinnamon und zimtbraun.

Bei der soeben besprochenen B-Serie handelt es sich um einen klassischen Fall von multipler Allelie, weil es für das Farb-Gen mehr als zwei Allele gibt. Die Reihenfolge, in der man die Allele eines solchen Gens aufschreibt (B, b, bl) oder bespricht, sagt etwas über die Dominanz-Verhältnisse aus. Das Allel B ist nämlich dominant über b und bl, aber auch b ist dominant, allerdings nur über bl.

Und wo bleiben die Roten? Das ist so eine Sache. Rot, oder besser Orange ist kein Allel der B-Serie, sondern es handelt sich hier um ein zweites unabhängiges Farb-Gen mit zwei Schalterstellungen: Dem Allel O für Orange und dem Allel o für nicht Orange. Außerdem wird die ganze Angelegenheit noch dadurch kompliziert, dass dieses Gen auf dem X-Chromosom liegt, also geschlechtsgebunden vererbt wird.

Merken wir uns jetzt einfach nur, dass Kätzinnen, die ja zwei X-Chromosomen haben, mit der homozygoten Allelkombination XO/XO alle Allele des ersten Farb-Gens maskieren also rot sind. Nur Katzen mit den rezessiven Allelen Xo/Xo zeigen die Farben der B-Serie. Die heterozygote Ausstattung XO/Xo führt zu "Schildpatt". Bei Katern ist die Situation etwas anders, weil sie ja nur ein X-Chromosom haben: XO/Y Kater sind rot (die B-Serie ist maskiert), Xo/Y Kater sind nicht rot, es können alle Farben der B-Serie auftreten.

 

© Hortensia Thut, Schweiz