Was sind Polygene?

 

Schon mehrmals habe ich jetzt schon auf eine Mitwirkung von Polygenen hingewiesen, ohne allerdings die Wirkungsweise der Polygene genauer zu beschreiben. Dies will ich an dieser Stelle nachholen:

Die Bezeichnung Polygen ist aus den zwei Worten "poly - viel" und Gen zusammengesetzt. Also eigentlich "Viel-Gen". Dies sagt uns schon etwas über die Wirkungsweise von Polygenen aus. Es sind viele Gene, welche als einzelne Gene unbedeutend sind, aber in einer größeren Anzahl vorhanden die Wirkung eines bestehenden Hauptgens entweder unterstützten (+Polygene) oder aber behindern können (–Polygene).

Polygene beeinflussen aber nicht nur die Haarlänge und Felldichte, sondern auch die unterschiedliche Ausprägung der Fellfarbe und sind sogar für die Intensität der Augenfarbe mit verantwortlich. Selbst Körperbau und Körpergröße werden von Polygenen beeinflusst. Die ganze Sache ist bei weitem komplizierter als ich sie hier darstelle, aber für unsere Zwecke mag folgende einfache Erklärung genügen:

Ich unterteile die Polygene einfach einmal in zwei Gruppen: In plus-Polygene und minus-Polygene. Als Beispiel nehme ich die blaue Augenfarbe unserer Ragdoll. Wie wir wissen, wird die blaue Augenfarbe der Ragdoll durch die Genkombination cscs hervorgerufen. Trotzdem aber finden wir bei der Intensität der Augenfarbe sehr große Unterschiede. Von hellblau-grau bis hin zu tiefstem Marineblau finden wir so ziemlich alles was die blaue Farbpalette hergibt. Und genau hierbei spielen Polygene eine ganz entscheidende Rolle.

Wenn sich die + und –Polygene in etwa die Waage halten, zeigt die Ragdoll eine hell- bis mittelblaue Augenfarbe. Je mehr aber die +Polygene überwiegen, desto tiefer das Blau der Augen. Im umgekehrten Fall, wenn die –Polygene überwiegen, erhalten wir Ragdolls, bei welchen man eher von einer hellblau-grauen Augenfarbe sprechen würde. Polygene lassen sich nur durch selektive Zuchtauswahl über mehrere Generationen in die richtige Richtung beeinflussen.

 

Polygene beeinflussen die Fellfarbe

Bei unserer Ragdoll kennen wir die unverdünnten Farben Seal, Chocolate und Flame, sowie deren Verdünnung Blue, Lilac und Cream. Eigentlich müssten unsere Tiere allesamt einheitliche Farben aufweisen. Das heißt: Seal wäre immer und bei jeder Ragdoll ganz klar als Seal zu erkennen und Chocolate immer als Chocolate. Das dem nicht ganz so ist, ist weitestgehend bekannt. Nicht allen bekannt aber ist das Warum. Nun. Auch hier tun Polygene ihre Wirkung. Zwar vermögen sie nicht, aus einer sealfarbenen Katze eine chocolate zu machen, aber die ganze Palette von beinahe schwarz bis dunkel- oder sogar mittelbraun bei den Seals entsteht nicht zuletzt durch die unterstützende, beziehungsweise behindernde Wirkung von Polygenen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle die Möglichkeit, dass das Gen für light Brown (bl) im Genpool der Ragdoll tatsächlich existent sein könnte und dies eine weitere Erklärung für die etwas helleren Seal und Blue mit dem leichten Rotstich sein könnte.

 

Polygene beeinflussen die Körpergröße

Die Ragdoll ist als große, massive Katzenrasse bekannt. Trotzdem gibt es auch hier Unterschiede. Natürlich sind die Kater wie bei den meisten Katzenrassen, größer als Kätzinnen, aber es ist eine negative Entwicklung dahingehend festzustellen, dass die Ragdoll ganz allgemein immer kleiner wird. Dies mag vielleicht zum Teil auf die vermehrte, oft unüberlegte Inzucht zurückzuführen sein, welche in der Vergangenheit betrieben worden ist, aber ich vermute auch, dass der Größe unserer Rasse in den letzten Jahren einfach viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Andere Merkmale wie zum Beispiel die perfekte Zeichnung der Mitted oder die tiefblaue Augenfarbe wurden zu sehr in den Vordergrund gerückt.

Es liegt auf der Hand, weshalb auf diese Merkmale hin gezüchtet wurde und wird: Mit einem perfekt gezeichneten Tier mit tiefblauer Augenfarbe erhöht sich die Chance auf einen Bühnenerfolg an den Katzen-Shows. Daran kann man erkennen, wie durch falsche Selektion auf nur ein paar wenige Kriterien, ein für eine Rasse völlig negativer Trend in Gang gesetzt werden kann.

Noch ist es aber nicht zu spät. Denn Gott sei Dank, es gibt sie noch, die Züchter welche diesem Trend entgegenwirken. Und diese Züchter besitzen sie noch: Die wahren Riesen unter den Ragdolls. Bestimmt wissen Sie schon, worauf ich hinaus will: Auch die Körpergröße wird durch Polygene mitbestimmt. Es ist höchste Zeit, der Größe der Ragdoll wieder vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken, um die Rasse so zu erhalten wie sie sein sollte: Groß und massiv.

 

© Hortensia Thut, Schweiz