... Inka kommt ins Haus ...
... Grenzen testen ...
... die Zeit vergeht ...
... Nachwuchs ...
... Zwingername, Wurfkiste und anderes Equipment ...
Story II oder wie mich die Frau für's Leben fand
Wie ihr meiner zuweilen gut besuchten und von Frank liebevoll (Annett meint eher zwanghaft und fanatisch) gestalteten Homepage entnehmen könnt, werde ich in Bälde Vater. Erinnern wir uns an meine eigene Entwicklungsgeschichte zurück, merken wir, dass es dafür mindestens zwei braucht.

Aber ganz langsam und von Anfang an: Ich hatte mir also meine Lebensumstände recht angenehm arrangiert (unterbrochen nur von diesen absonderlichen Schönheitskonkurrenzen, während derer wohl geformte Briten und weniger ansprechende Früchte miteinander verglichen werden), wurde älter und weise und neigte zuweilen zum Philosophieren. Fälschlicherweise deuteten dies meine Mitbewohner als depressive Eigenbrötlerei und deuteten auch meine Nahrungskarenz in Zeiten des Sinnierens als Zeichen von Vereinsamung. Und statt mich gewähren zu lassen (schließlich weiß jeder Kater, was gut und richtig für ihn ist), sannen sie (sicher getrieben vom schlechten Gewissen wegen abstrakter arbeitsbedingter Vernachlässigung) auf Abhilfe in Gestalt einer Zweitkatze.

Ich hatte eingangs bereits über das Wesen der Katze im Allgemeinen und mein Revierverhalten im Besonderen berichtet, daher habe ich es auch nicht verstanden, warum mir trotzdem diese kleine blau-schildpatt Springmaus auf den Hals gehetzt wurde, denn fortan war das besinnliche und gediegene Katerdasein nur noch eine liebe Erinnerung. Gemeinerweise schleppten sie den Eindringling zu nachtschlafender Zeit ins Haus, wahrscheinlich wollten sie mich überraschen, aber ich war wachsam (wie immer) und hatte im Übrigen bereits Tage zuvor bemerkt, dass irgend etwas nicht stimmte. Na ja, Inka entstieg ihrem Katzenknast, kam, sah und quietschte (letzteres tut sie übrigens auch heute noch, vor allem, wenn sie ein Spielzeug unter den Schrank gerollt hat und will, dass es irgend jemand wieder hervorholt; clevere kleine Katzi). Ich dachte, um gar nicht erst irgendwelche Missverständnisse darüber aufkommen zu lassen, wer hier das Miauen hat, hetze ich sie erst 'mal ein bisschen durch die Wohnung. Und los ging's für die nächsten nächtlichen Stunden; Tom und Jerry sind echte Waisenknaben gegen uns. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und Ruhe trat ein. Da kam natürlich gleich Annett geguckt, ob ich das arme unschuldige Wesen vielleicht umgebracht habe. Hatte ich natürlich nicht, denn neues Spielzeug macht man nicht kaputt, bevor alle Funktionen ausprobiert sind. Annett schickten wir während unserer Eingewöhnungsphase zu ihren Eltern, da sie für kriegerische Revierspiele einfach nicht zu gebrauchen ist.
Wie gesagt, gediegenes Katerleben ade, denn anders als durch meine Jagd-, Nackenbiss- und Deckaktionen bezweckt, entwickelte sich Inka nicht zu einem braven unterwürfigen Wesen, eher im Gegenteil. Nach einer ganz kurzen Orientierungsphase hatte sie meine Schwachstellen entdeckt (ich bin ein ganz großer Schmusekater und überhaupt zu gut für diese Welt) und nutzte ihr Wissen schamlos aus. Wie muss man sich das vorstellen: Wenn man mir "Köpfchen gibt", kann man fast alles von mir haben. Wollte sie lieber aus meinem Futternapf speisen, stieß sie mich einfach beiseite und ich, ganz Gentleman, ließ sie gewähren. Auch beim Spielen hatte sie ihre angeblich angeborene Scheu und Zurückhaltung bald abgelegt und immer öfter war ich der Gejagte. Man kann sich kaum vorstellen, wieviel Energie in so einem kleinen Fellbündel steckt. Erfreulicherweise erging es den Mitmenschen nicht besser. Inka lernte sehr schnell, auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen und für ihre Durchsetzung Sorge zu tragen: Streicheleinheiten und andere Liebesbeweise nimmt sie gern entgegen, aber nur, wenn sie will (vorzugsweise wenn sie müde ist, lässt sie sich gern kraulen, ansonsten reißt sie einfach aus, was zuweilen für Frustration bei den Möchtegern-Streichlern sorgt). Mit dem Spielen verhält es sich ähnlich, alles hört auf Inkas Kommando. Ist sie der Ansicht, um fünf Uhr morgens ist die Nacht vorbei, springt sie ins Bett, geht ein bisschen auf Annett spazieren und legt ihr letztlich ein Bällchen in die Hand. Da kann man sich nur tot stellen, sonst ist man verloren und muss das Bällchen werfen, bekommt es wieder gebracht, wirft es weg u.s.w. u.s.f. Aber auch mit dem tot stellen kann Inka prima umgehen. Sie krabbelt einfach bis auf Kopfhöhe und drückt ihre feuchte kalte Nase und kitzelnde Barthaare ins Gesicht des armen, nun nicht mehr schlafenden Menschen. Klappt prima.
und Inka (aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen auch Hinki-Minki genannt, dass muss wieder dieser Aberglaube mit den I-Lauten in den Namen und dem angeblich daraus resultierenden Gehorsam sein) ist nach wie vor der quirlige Mittelpunkt meines Lebens. Nicht dass ich etwa von Franks Zielen abgekommen wäre (mittlerweile bin ich Euro-Champion) oder meine Privilegien aufgegeben hätte (ich schlafe nach wie vor auf Annetts Kissen oder Füßen, ob ihr das jetzt passt oder nicht, und wenn die Menschen nach Hause kommen, bin ich der Erste, der an der Tür geschmust wird), aber es ist doch irgendwie anders, besser. Ich mag es, wenn sie mich durch die Wohnung jagt, bei übergroßer Aufdringlichkeit ins Bein beißt, wegen ihres Spielzeugs quietscht oder Kussi gibt. Die große Katzenliebe eben.

Ich bin ja der Ansicht, Britisch-Kurzhaar-Katzen kann es nie genug geben. Also haben wir unsere Mitmenschen kurz vor Inkas ersten Geburtstag mal ganz übel ausgetrickst. Über Famillienplanung waren wir uns (anders als unsere Menschen) ohnehin längst einig, so dass wir nach eingetretener Rolligkeit an die zügige Umsetzung gingen. Nach außen hin haben wir uns bewusst harmlos und ungeschickt gegeben, aber wenn sich zwei einig sind, dann klappt das auch. So kam es wie es kommen musste, Inka wurde etwas fülliger um die Hüften (wird jetzt auch Williams-Christ-Birne genannt), was auch den Mitmenschen nicht verborgen blieb. Kurz vor einem dieser wichtigen Ausstellungstermine wurden dann auch Gesäugeveränderungen festgestellt, die die Alarmglocken zum klingen brachten. Also nichts Katziausstellung, sondern Tierarzt, Bauch rasieren (Inka macht bäuchlings jetzt jeder Sphynx alle Ehre) und ultrabeschallt. Ergebnis: Fünflinge. Panik machte sich breit. Unglücklicherweise wird unsere sonst so harmonische Beziehung nämlich durch eine Blutgruppenunverträglichkeit getrübt, so dass, wenn die Babys dann angekommen sind, einiges an immunologischem Know how gefragt ist. Aber bis dahin ist noch eine Menge zu tun.

... Zwingername, Wurfkiste und anderes Equipment ...
Inka und ich sehen in dieser Schwangerschaftsgeschichte ja irgendwie die natürlichste Sache der Welt. Besonders Inka ist nach wie vor unser wildes Teufelchen (ein noch so dicker Bauch hindert nicht am 'rumrennen, auf und nieder springen und überhaupt). Nur die Mitmenschen bereiten uns Sorgen, da gehen echt merkwürdige Dinge vor: So brauchen wir jetzt zum Beispiel einen Zwingernamen (dabei sind wir nun wirklich keine Hunde). Frank liefert diesbezüglich immer irgendwelche lateinische Spinnereien, die kaum ein Mensch aussprechen, geschweige denn, sich merken kann. Annetts wohlklingende Vorschläge werden in der Regel ignoriert, was sie aber nicht wirklich stört. Und dann die Sache mit den Vornamen. Inka und Titus sind einerseits nicht zu toppen, kommen andererseits aber nicht in Frage, denn: erster Wurf, also fangen alle Namen mit "A" an. Nur um euch einen Eindruck davon zu vermitteln, was so abgeht: Da will doch der Frank so eine kleine Handvoll Katze, die anfangs weder Sehen, noch Hören, geschweige denn kriegerisch Daherschreiten kann, Agamemnon nennen. Echt gewöhnungsbedürftig. Aber er bemüht sich daneben redlich um eine standesgemäße Wurfkiste, ein Laufställchen und was die künftige Großfamilie sonst noch so braucht. Große Unterstützung findet er bei den künftigen Großeltern (den Züchtern, bei denen Inka und ich das Licht der Welt erblickten), die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Na ja, und jetzt kann es eigentlich losgehen.
So liebe Freunde, nachdem der erste Teil meiner Geschichte ein so freundliches Echo gefunden hat, hoffe ich, dass Euch auch die Fortsetzung gefällt und verspreche, dass Teil drei nicht wieder ein Jahr auf sich warten lässt.
Herzlichst
Euer Titus
veröffentlicht in der Fachzeitschrift für Katzenfreunde "die edelkatze" Nr. 1/2004 (ISSN 0013-0826) und im Informationsblatt der Interessengemeinschaft Britisch Kurzhaar & Europäisch Kurzhaar im 1. DEKZV e. V. "CAT NEWS" Nr. 1/2004